Feiertagsbräuche

30. Dez 05 – 22:33

Wenn es etwas gibt, was Sizilianer leidenschaftlich gerne machen, dann ist das feiern von Festen. Es werden weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Feiertage zwischen den Jahren gebührend zu zelebrieren. Die Mamma schuftet von früh morgens bis abends in der Küche für das Feiertagsmahl und für die pasta fatta a casa. Die selbstgemachten Nudeln dürfen auf keinen Fall fehlen. Je nach Zeitaufwand gibt es “nur” Tagliatelle oder Maccheroni, Gnocchi, Tortellini, etc. Der Familienvater versucht in letzter Minute noch irgendwelche Verwandte oder notfalls auch Bekannte und Arbeitskollegen einzuladen. Es ist Ehrensache den Gastgeber zu spielen. Meist haben diese schon ihren Tag “verplant”, aber auf die nicht untypischen Spontanbesuche sollte man sich dennoch gefasst machen. Man möchte nicht als schlechter Gastgeber dastehen.

Eine besondere Vorliebe der Italiener ist das Beschenken. Hauptsächlich stehen da die Kinder im Mittelpunkt.

Wie in Deutschland auch kommt in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember der Nikolaus und in Italien der Babbo Natale und legt den Kindern kleine Geschenke vor die Tür (Vorsicht, babbeo bezeichnet einen Dummkopf).

Am 13. Dezember wird auf Sizilien und besonders in der Gegend um Syrakus das Fest der Heiligen Lucia gefeiert. Die auch in Schweden beliebte Santa Lucia soll der Legende nach ihre Augen rausgerissen haben, um der Heirat mit ihrem Verlobten zu entgehen. Um die Heilige Lucia zu ehren, wird an diesem Tag kein Brot und keine Nudeln gegessen. Fleisch gehört erst seit den letzten 60 Jahren regelmäßig zum Speiseplan der Sizilianer. Früher war es ohne Pane e Pasta Adventsfasten.

Der Weihnachtsbaum hat sich mittlerweile auch in italienische Wohnzimmer eingefunden. Da es in Süditalien Fichten und Tannen eher selten gibt, greift man auf Kunstoffchristbäume zurück. War vor einigen Jahren übrigens das Deutschlandmitbringsel schlechthin. Aber die traditionelle Weihnachtskrippe stellt weiterhin den Mittelpunkt im Wohnzimmer dar. Am 25. finden die Kinder die Geschenke und das Jesuskind in der Krippe.

An Silvester ist es obgligatorischer Brauch rote Unterwäsche zu tragen. Die mutande rosse sollen natürlich viel amore fürs neue Jahr bringen. Und schlecht siehts ja auch nicht aus. Oliver findets trotzdem komisch. Ein Italiener würde auch die 37 Wiederholungen von Dinner For One an einem Abend, altes Hallervordesches Palim-Palim-Gesketche in der ARD und Bleigießen eigenartig finden ;). Und von Fondue gar nicht erst zu sprechen. In einigen Familien wird in einem Zimmer das Licht ausgemacht und das Fenster geöffnet, damit die schlechten und bösen Geister entfliehen können. Vereinzelt werden auch alte Gegenstände aus dem Fenster geworfen. Generell ist es zu empfehlen in der Nacht im Haus zu bleiben, da alle ihre Böller und Kracher vom Balkon nach unten werfen.

Am 6. Januar kommt dann die hässliche Hexe Befana und beschenkt die Kinder mit Kleinigkeiten und Süßem. Waren die Kinder nicht artig, dann bringt sie Kohle und Asche mit.

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